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Eine sehr interessante Beschreibung
der Pfarrei Ruhmannsfelden
im bayerischen Walde,
Landgerichts Viechtach. 1812.

 

Die Beschreibung ist von Pfarrer Joseph Castenauer in Ruhmannsfelden verfasst und am 20. November 1812 abgeschlossen. Durch Vermittlung des Munizipialrates Castenauer gelangte sie im Königlich Bayerischen Polizei-Anzeiger von Straubing 1813, Stück 18 und 22 zum Abdruck. Wenn sie nach hundert Jahren hier erneut abgedruckt wird, so dürfte dies begründet sein in dem kulturhistorisch wichtigen Inhalte, der aufschlussreiche Vergleiche mit den jetzigen Verhältnissen gestattet und zugleich ein beredtes Zeugnis von den vielseitigen Interessen des Verfassers ablegt. Es wäre nur zu wünschen, dass mehr solche Ortsbeschreibungen aus alter Zeit vorhanden wären.

Land und Leute

Das Klima

Luft. Die Kälte tritt in dieser Gegend, da sie von Bergen umschlossen ist, etwas früher und gewöhnlich schon im Oktobermonate ein. Am Ende dieses Monats sieht man auf den Gebirgen gegen Böhmen hin, zumal auf dem hohen Arber meistenteils Schnee, der im Wonnemonate manchmal noch liegen bleibt. Schnee fällt hier sehr häufig und in solcher Menge, dass die umliegenden Dorfschaften die Wege mit Schaufeln leeren mußten, um sie gang- und fahrbar zu erhalten. Die Hitze ist im Sommer sehr stark, besonders in den Tälern, wo die Sonnenstrahlen sozusagen eingeengt heftiger wirken. Der höchste Stand des Barometers beträgt 24, und der niedrigste 4, der des Thermometers nach Reaumur 20 (ca. 25°C) aber und 20 Grade unter dem Eispunkte (ca. -25°). Im ganzen genommen kann man nicht sagen, dass die Luft zu trocken, noch dass sie zu feucht sei, sondern die Witterung ist abwechselnd, obgleich auch zuweilen nasse Jahre sich einfinden. Gewitter kommen gewöhnlich südwärts her, sie ereignen sich aber selten und sind dann von heftigen Sturmwinden begleitet, welche die Schindeln von den Dächern abheben und die größten Bäume entwurzeln. Der Schauer schlägt hier selten die schöne Hoffnung des Landmanns nieder. Überhaupt ziehen hier die Gewitterwolken viel friedlicher vorüber, seitdem das lustige und schädliche Geläute aufgehört hat. Lufterscheinungen die lokal wären, gibt es hier keine. Das Klima ist wegen Reinheit der Luft der Gesundheit im hohen Grade zuträglich.

Wasser

Seen und Teiche sind nicht aufzufinden. Das Flüßchen Theißnach, das bei dem Markt Ruhmannsfelden vorüberrauscht, nimmt seinen Ursprung in den Bergen oberhalb der Pfarrei Achslach, schlängelt sich ostwärts und fällt gegen Norden hin in den Fluss Regen. Die Theißnach ist klar und helle, und fließt bald sanft zwischen den Fluren weg, bald wirbelt sie mit hörbarem Getöse über kleine Felsenstücke und Steine hin. Das Ufer ist flach, nur an einigen Stellen etwas erhoben. Man fischt zuweilen schöne und große Perlen, obgleich vormals die Perlenfischerei ungleich beträchtlicher war. Das Flüßchen enthält auch gute und geschmackvolle Fische, vorzüglich in dieser Gegend, wo mehrere Bäche sich hinein ergießen. Es gibt delikate Forellen, Aschen, Rutten, Hechte, Barben, und hier und da vortreffliche Krebse, die sich ihrer Güte und Größe wegen als Flußkrebse auszeichnen. Wenn der Schnee im Frühlinge allmählich zu schmelzen anfängt, oder bei langwierigem Regen trübt sich das Wasser, tritt aus dem Ufer, verursacht Ueberschwemmungen, doch selten großen Schaden. Von mineralischen Wassern, Quellen, Gesundbädern etc. ist nichts vorhanden.

Boden

Der Boden ist um Ruhmannsfelden ziemlich fruchtbar. Die anmutigen Täler, die von kleinen Hageln umgeben sind, ergötzen das Auge ungemein. Lachende Wiesen im schwelgerischem Schmucke, und bebaute, ährenvolle Felder bieten sich allenthalben dem Wanderer dar. Nicht leicht wird man einen Ort antreffen, wie den Markt Ruhmannsfelden, wo jeder Häusler und Bürger (zwei oder drei ausgenommen) seine liegenden Gründe, Aecker, Wiesen oder ein Stück Wald als Eigentum besitzt. Wenn man von Deggendorf herein reiset, so muß man meistenteils auf einem Fußsteige fortschreiten, der in einem tiefen Tale links und rechts von Bergen eingeengt, sich bis auf eine halbe Stunde gegen Gotteszell hinzieht, und dann auf einmal, und ganz unerwartet durch eine sich öffnende angenehme Ebene überrascht.

Straßenverhältnisse

Die Fahrstraße ist zum Halsbrechen schlecht, und sticht gegen den Chaussée ähnlichen, ganz unvergleichlichen Weg von Ruhmannsfelden nach Viechtach, den das königliche Landgericht Viechtach anlegen ließ, ungemein ab. Die Bäcker und Bierbrauer von Viechtach und Ruhmannsfelden müssen jene erstere Fahrstrecke sehr oft befahren, um sich Weizen und Gerste auf der Schranne in Deggendorf zu holen und haben allemal viele Reparaturskosten für zu Grunde gerichtete Wagen, Geschirre und Pferde zu bestreiten. Es sind schon manche Unglücksfälle geschehen und Mann, Pferd und Wagen in die vom Regenwasser ausgespülten Löcher einseitig gesunken und in die unten liegenden Untiefen gestürzt. Würde der von Gotteszell aus nach Deggendorf führende Weg zurecht gemacht werden, so würde dies das Kommerz allerdings fördern und die Anwohner des unteren Waldes beträchtlich bereichern. Ich weiß nicht, warum auf die in diesem Stücke erlassenen allerhöchsten Befehle nicht Rücksicht genommen wird.

Berge und Hügel

Von Ruhmannsfelden aus erblickt man gegen Süden eine Reihe etwas höherer Hügel und Berge, und gegen Osten eine Gebirgskette ans Böhmerland hin. Der sogenannte Arber, der sechs Stunden von hier entlegen ist, zwei große Seen, wovon einer herrliche Lachsforellen enthält, und eine unvergleichliche Aussicht nach Böhmen bis nahe nach Prag hin und nach Bayern hat, ragt unter allen Bergen weit mit seiner Spitze hervor. Dorther kommen manchmal plötzlich und unvermutet Winde, die im Frühlinge und Herbste eine schneidende Kälte verursachen, im Sommer aber die brennende Hitze mäßigen und den ermüdeten Arbeiter erquicken. Höhlen, Spuren von Vulkanen und Erdbeben finden sich hier nicht, wohl aber noch ziemlich viele Wälder, obwohl mehrere davon durch die mühsamen Hände des Waldbewohners in Wiesen und Felder umgeschafft worden sind.

Pflanzen, Tiere, Bodenschätze

Einige Wälder enthalten im Umfange ununterbrochen eine Stunde. Holzarten sind Tannen, Fichten, Buchen, hin und wieder Eichen, Birken; diese letztere in großer Menge.
Wilde Tiere gibt es außer Rehen, Fuchsen, Hasen, Mardern und Eichhörnchen keine. Manchmal verirrt sich ein Hirsch hieher; zuweilen bricht ein wilder Hauer durch die moosigten und dichter bewachsenen Holzungen.
In der Theißnach halten sich auch mehrere Fischottern auf. Vor fünfzig und sechzig Jahren schoß man in der Gegend Luchse; vor hundert Jahren fieng man viele Wölfe in Wolfsgruben; auch waren die Bären keine Seltenheit.
Außer den überall gewöhnlichen Vogelarten trifft man den schönen Birkheher (wenn gleich seltener), den niedlichen Seidenschwanz (nur alle 5 bis 6 Jahre; die Bauern nennen ihn Pfeffervogel), die Ringelamsel (einen köstlichen Vogel zum Essen), den Eisvogel, die Goldamsel, die Wasseramsel, das kleine Seidenhühnchen (ein artiges Vögelchen, ungleich kleiner als der Zaunkönig, mit einem gelben Schöpfchen), das Haselhuhn etc.
Von Mineralien, so sehr ich mir auch Mühe gab, und so unzählige Male ich nachsuchte, konnte ich nichts besonderes auffinden. Nur zeigte mir einmal der Bibliothekar von Niederalteich P. Emmeran einen sechseckigen Kristall, den er auf dem Kalvarienberge nächst dem Kloster Gotteszell angetroffen hatte. Auch sagte er mir, daß in der Pfarrei Ruhmannsfelden ein Stück von sehr schön geflecktem Achate, das beiläufig zwei Fuß betragen mochte, wäre ausgeackert worden. Auf die von mir angestellte Nachfrage konnte ich weder den Ort, noch den Finder erforschen, weil man befürchtete, es könnte dem Eigentümer sein Acker entzogen werden. Pflanzen wachsen da herum wie überall, und der außergewöhnlichen sind keine hier.

Die Menschen

In dieser Gegend ist ein schöner Schlag Menschen. Die Männer haben meist etwas über die Mittelgröße; aber sie sind nervicht, stark und zur Arbeit abgehärtet; das schöne Geschlecht hat feine Züge, lebhaftes Rot auf den Wangen, einen hübschen Körperwuchs und ein reizendes Aussehen; nur scheint es zuviel Ansatz zum Fettwerden zu haben. Häßliche Personen trifft man selten an. Die meisten tragen die Gesundheit und das Leben selbst auf ihren Gesichtern. Alles atmet hier die reinste Luft ein und trinkt das hellste Kristallwasser, daher ist ein hohes Alter etwas Gewöhnliches. 70, 80, 90 Jahre zählen viele Einwohner; sie gehen noch selbst munter einher und treiben ihre Geschäfte mit vieler Lebhaftigkeit. Zuweilen raffen Faul- und Nervenfieber freilich einige weg; doch geschieht dies erst nach Verlauf von mehreren Jahren, und die Fruchtbarkeit der hiesigen Weiber ersetzt den Schaden in vollem Maße. Zwillinge werden sehr oft geboren, und mitunter auch Drillinge. Seitdem die wohltätige Schutzpockenimpfung eingeführt ist, und mit Ernst und Tätigkeit betrieben wird, ist die Blatternseuche beinahe verschwunden, wo doch zuvor 20 bis 30 Kinder alle Jahre daran wegstarben. Das höchste Alter läuft hier über hundert Jahre hinaus, und ich habe selbst schon eine Weibsperson von hundert und vier Jahren zum Grabe begleitet. Im Durchschnitte genommen kann man sagen, daß die Brust- und Bauchwassersucht eine herrschende Krankheit und hier eigentlich zu Hause sei. Die gewöhnlichen Nahrungsmittel des Bauers in dieser Pfarrei besteht in Brot, Milch, Erdäpfeln, Sauerkraut, in Speisen von Mehl (meist sogenannten Fingernudeln, Rohrnudeln, Knödeln etc.) von Brei und Gries; an höheren Festtagen bekommen die Dienstboten Kuchen in Schmalz gebacken und zu Weihnachten, Ostern und zur Faschingszeit gebratenes Schweinfleisch. An Sonn- und Festtagen tut sich der Bauer und sein Knecht im Wirtshause mit einem Kruge Bier etwas zu gut.

Die Landwirtschaft

Unter den Tieren wird hier vorzüglich das Hornvieh gezogen und ein sehr starker Handel sowohl mit Kühen, als mageren und gemästeten Ochsen getrieben. Diese letzteren werden auf den Märkten zu Regen, Deggendorf und Viechtach häufig verkauft und treibt man sie zu Dutzenden nach München und Regensburg den Metzgern von hier aus zu, die zum voraus ihre Bestellungen machen. Unglaublich ist es, was für große Geldsummen in dieser Hinsicht durch Privathände laufen. Es ist ein gewisser Privatmann im hiesigen Markt, der allein jährlich dreißig- bis vierzigtausend Gulden für solches Mastvieh ausgibt und einnimmt. Die Schweinezucht wird so sehr nicht betrieben und Schafe sieht man sehr selten. Ich weiß die Ursache nicht anzugeben, ob das Klima nicht für sie tauge oder ob der Gewinn, der daraus fließt, zu unbedeutend scheine. Junge Ziegen trifft man schon mehr an, und sie werden allenthalben als eine leckere Speise verhandelt.
Getreidearten sind Weizen, Korn, Haber, die hier gebaut werden. Die Gerste gedeiht nicht wohl. Unter den Futterkräutern hat hierorts der Klee den Vorzug und der Kleebau nach allen Gattungen zeigt den besten Erfolg. Kraut und Rüben sind das gewöhnlichste Gemüse, und die Kartoffeln, die da herum sehr groß und geschmackvoll wachsen; die tägliche Speise, zumal mit Sauerkraut.
Obst wird hier nicht viel gepflanzt, ob es gleich unvergleichlich gut und ergiebig fortkommen würde; aber die Gegend um Gräflfing, zwei Stunden von uns entfernt, ist ein wahrer Obstgarten, so wie das drei Stunden weit entlegene Dorf Bärnried. Die Bauern dieser Ortschaften bringen das edelste und vortrefflichste Obst auf Schiffen nach Wien, wo sie schwer Geld dafür lösen. Vor einigen Jahren sind viele Kerne von gutem Obst in dem Markte Ruhmannsfelden und in den anliegenden Dorfschaften, wie auch Wildlinge eingesetzt worden; aber ungezogene Burschen und berauschte Nachtschwärmer schnitten und brachen die jungen Sprößlinge entzwei.
Seitdem ich diesen Unfug auf der Kanzel und gelegenheitlich in der christlichen Lehre nachdrücklich rügte, und den offenbaren Nutzen, der aus der Baumzucht so vielfältig hervorgeht, in mehreren angeführten Beispielen von anderen Ländern aufzeigte, seitdem der Schullehrer die Kinder im Pfropfen, Impfen, Kopulieren etc. unterrichtet und sie Handgriffe praktisch lehrt, äußern die Kleinen große Freude darüber und es mag allmählich hierin besser werden.
Die Ernte gibt in guten Jahren sechsfachen, in mittleren fünffachen und in schlechten vierfachen Samen wieder. Der Ackerbau hat beträchtlich zugenommen, und wo nur immer ein ödes Stück Erde sich vorfand, wurde es sogleich urbar gemacht. Die Viehzucht ist schon oben erwähnt worden. Ausländische Produkte werden nicht angepflanzt, hingegen wird außerordentlich viel Lein gebaut. Der Samen wird in die Leinöl-Stampfe verkauft. Der Flachs und das Garn wird auf die Märkte gebracht und mit der gebleichten sowohl als ungebleichten Leinwand wird im In- und Auslande ein ausgebreiteter Handel getrieben und manches schöne Stück Geld erworben. Alles wimmelt in unserer Gegend von Leinwebern, und es ist nicht leicht ein Dorf, das nicht etliche davon aufweisen kann; sogar Einöden haben deren einige: So spinnt auch hier alles im Winter: Männer, Weiber, Mägde, Knechte, Kinder und abgelebte Greise. Wenn man nächtlicher Weile in eine Bauernstube eintritt, so kann man kaum die Augen offenhalten vor Rauch der Spänelichter und man versteht beinahe sein eigen Wort nicht, so schnurren die Räder. Bei Tag wandern die Mädchen in benachbarte Häuser oder auch Dörfer, und spinnen dort ihren Strang Garn, und dies nennen sie Rockenreisen. Bei dieser Gelegenheit wird im Zirkel gesungen, geplaudert, geschäkert, gelacht; mitunter werden Liebschaften verabredet, auch spitzige Anmerkungen über die Weibsleute gemacht.

Die Kleidung

Was die Kleidung betrifft, so deckt und bildet dieselbe wohl. Die Männer im Markte tragen gewöhnliche Schuhe oder Stiefeln von Kalbleder, farbige Strümpfe, lederne Hosen, hübsche Gilets, Röcke vom Mitteltuche, seidene Halstücher und runde gebräuchliche Hüte. Doch trifft man auch noch Spießbürger von altem Korn und Schrote, die mit zugehackten Schuhen, einem schmutzigledernen Beinkleide mit weißen oder gelben Knöpfen, einem Kamisole bis auf die Kniee herunter, einem braunen oder grünen Rocke mit ungeheuren Aermelaufschlägen, und einem dreispitzigen Hute, den sie wie einen Triangel auf dem Kopfe sitzen haben, gravitätisch paradieren. Die jüngeren Mannspersonen haben meistenteils lange weite Beinkleider, kurze Stiefeln, ein seidenes Gilet, ein kurzes Kamisol mit Aermeln, ein schönes Halstuch, und einen kleinen runden Hut. Die Weiber und Mädchen kommen mit ihrem Anzuge jenen in den kleineren Städten nahe. Ihre Röcke sind von wollenen oder leinenen Zeugen; so auch die Schürzen. Das Korset ist von geblümten sogenannten Perse, die Schnürbrust (Mieder) vom Tuche oder von Wolle, das Innerleibchen gewöhnlich von Taffent oder Kamelot. Den Hals bedecken sie mit einer Halskette oder einem Sametbörtchen, woran ein Kreuzlein hängt, oder mit einer Schnur von unächten Perlen. Ihre Hauben heißt man Ringelhauben; einige haben auch Passauer-Hauben auf dem Kopfe. An Werktagen ist es allgemein der Brauch, das Haupt in ein buntes Tuch einzuhüllen. An Festtagen und bei einem feierlichen Gastmahle sind die Kleider der vermöglicheren Bürgerinnen, z. B. der Bierbrauerinnen, Bäckerinnen usw. von Taffent, Seide, mit Goldspitzen besetzt. Die Bauern tragen Schuhe von Juchten, Strümpfe von weißer Leinwand zusammengenäht oder von Wolle, lederne Beinkleider, ein braunes, blaues, grünes oder rotes Leibstück, und einen Rock (Kutte in der Waldsprache) vom Tuche. Ihr Hut ist rund und groß, bei manchem mit einer Samtborte und einer silbernen Schnalle geziert. Um den Hals binden sie einen Flor. Die Bauernweiber lassen ihre Schuhe, die sehr oft rote Absätze haben, von Kalbleder verfertigen, und sie haben schöne weiße baumwollene Strümpfe. Sie gehen im Sommer größtenteils barfuß bis zum Markte an Sonn- und Festtagen, um Schuhe und Strümpfe zu sparen. Ihre Röcke sind von buntem Zeuge, und reichen etwas über die Waden hinab. Die Schnürbrust ist bei den meisten, wenn sie zur Kirche gehen, von Halbdamast, oder von feinem Tuche. Das Korsett, daß sie Röckel nennen, ist von Wolle oder Kattun. Den Hals bedecken sie mit einem großen seidenen Tuche. Die Schürzen sind von gedruckter, oder vom Weber verfertigter Leinwand. Auf dem Kopfe haben sie ein weißes Leinentuch, das sie insgemein Hadern heißen, von vorne mit breiten Spitzen; rückwärts endet sich dieses Tuch in einen Zipfel, der in der nämlichen Breite auseinander läuft. Mehrere bedienen sich einer Art Hauben, die hier den Namen Nesthauben erhalten, von schwarzen Damast oder Sammt, die mit Spitzen und Bändern von derselben Farbe garniert sind, den Passauer Hauben gleichen, und die Haare ovalrund verschließen.
Bei Leichenbegängnissen wird die nämliche Kleidung wie bei dem gewöhnlichem Kirchenbesuche beibehalten, nur daß alles von schwarzer Farbe ist.
Bei Hochzeiten tragen sie Bündelschuhe, feine weißbaumwollene Strümpfe, grüne Röcke (Kittel) mit grünem Taffent eingesäumt, Mieder von rotem Tuche, schwarze oder braune Korsette, blau oder grün bebändert, ein kleines seidenes Tuch und wieder ein größeres darüber. Die Haare zieren sie mit einem in geflochtenen eine Hand breit zusammengefügten roten Taffentbändern bestehenden Halbringe, der mit Silberspitzen oder kleinen Silberborten eingefaßt ist und den sie über die am Scheitel in einem Knoten geschlungenen Haare festbinden. Die Braut hat zum Unterscheidungszeichen einen Gürtel, woran kleine silberne Ketten befestigt sind, um die Mitte, und wird von dem Hochzeitlader und der Ehrenmutter (wie sie hier betitelt wird) in die Kirche eingeführt. Die Männer sind bei Hochzeiten wie an großen Festtagen gekleidet, nur haben sie Zitronen und einen Rosmarin-Strauß in der Hand.

Das Brauchtum bei Hochzeit und Beerdigung

Wenn zur Hochzeit geladen wird, so wandert der Hochzeiter mit dem Hochzeitlader von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf. Der letztere hat einen Stock mit vielen Taffentbändern von allerlei Farben geschmückt, bei sich und sagt einen langen Spruch auswendig her, worauf die Eingeladenen die Hand dem Hochzeiter reichen und zu erscheinen versprechen. Am Hochzeitstage selbst wird früh morgens um 7 oder 8 Uhr bei dem Bräutigan sowohl als in der Behausung der Braut eine Mahlzeit zum Voraus gehalten, die in gesottenem Rindfleische, einem Voressen, gebackenen Knödel, Breischnitten befteht. Diese Mahlzeit hat bei den Landvolke den possierlichen Namen Gackelhenne. Bei dem Hochzeitmahle selbst essen die schon frühzeitig gesättigten Gäste wenig. Es kommen andere gute Freunde und Bekannte von ihnen und setzen sich an ihren Platz, und schmausen wacker drauf, welches sie das Nachgehen heißen. Am Ende wenn abgespeist ist, werden die Gesundheiten des Bräutigams, der Braut, der Ehemutter, und verschiedener anderer angebracht, wobei sich die Musikanten munter hören lassen. Dann tritt der Hochzeitlader hervor, macht seine Kratzfüße, und sagt einen langen Spruch an die Anwesenden, manchmal in spaßhaften Knittelreimlein herunter, was sie das Danken heißen, wobei alles aufsteht und die Hüte zieht.
Bei Leichenbegängnissen herrschten vormals viele Mißbräuche, die nach und nach abgeschafft wurden. So hoben die Träger den Totensarg, ehe sie ihn auf die Schultern nahmen, dreimal von der Erde empor, und setzten ihn ebenso oft nieder; ich weiß nicht, was sie damit bezielten. An einigen Orten legen sie dem Leichnam von Erwachsenen sowohl als von Kindern etliche Ellen Leinwand bei, die sie mit dem Ausdrucke Ueberthan bezeichnen und die zugleich eingegraben wird; an anderer Orten wird dieses Uebertuch auf den Altar gelegt und geopfert. Vor beiläufig 60 oder 70 Jahren, wie mir einige zitternde Greise erzählten, steckte man nach da in der Gegend herum bei den Bauersleuten den Verstorbenen eine Münze mit einem Löffel in den Mund, mit der Aeußerung, daß dies das Ueberfahrtsgeld wäre. Wahscheinlich war dieser Gebrauch noch ein Ueberbleibsel vom grauen Heidenthume her, wo man wähnte, daß man sich mit trotzigen Fuhrmanne in der Unterwelt, dem Charon, abfinden müsse, der die abgeschiedenen über den Styx zu führen hatte. Ich habe selbst etliche solcher Münzen auf dem hiesigen Kirchhofe gefunden, da ich vor fünfzehn Jahren noch Kooperator des Ortes war; aber sie sind mir, ich weiß nicht mehr durch welchen Zufall, verloren gegangen. Diese Münzen waren viereckig von feinem Silber, in der Größe eines Groschenstückes. Auf der einen Seite war das Bildnis eines reissenden Tieres, das einem Wolfe ähnlich ist, mit offenem Rachen und ausgespreitzten Klauen eingegraben; auf der anderen Seite zeigten sich die eingeprägten Zeichen verwischt und unkenntlich. In den letzten Jahrhunderten gab man den Verblichenen schwarze Pfennige ins Grab mit; denn jene erstere Münzen schreiben sich ohne Zweifel von einem höheren Alter her.

Der Markt Ruhmannsfelden

Der hiesige Markt, der einst einen im Felde ruhenden Mann in feinem Wappen führt, woher vermutlich der Name Ruhemannsfelden (nicht Ruemannsfelden, wie einige irrig schreiben) entstanden sein mag, hat hundert und drei Häuser, wovon einige hübsch aussehen und die meisten gemauert sind, und einen ziemlich geräumigen Platz, durch welchen die Fahrstraße von Deggendorf her nach Viechtach und Regen hingeht. Die Kirche ist einfach, schön und geräumig, mit einem festen Turme und vier Glocken. Vorzüglich rein, angenehm und wohllautend ist der Ton der größeren Glocke. Feierlich und ernst hallt sie an festlichen Tagen weit in der Gegend umher und bleibt auch an entfernten Orten noch hörbar.
Der Markt Ruhmannsfelden muß schon sehr alt sein, da er gemäß einer mündlichen Ueberlieferung seine Entstehung von jener des Klosters Gotteszell bekommen haben soll, Gotteszell aber im zwölften Jahrhunderte gestiftet worden ist. Es gehörte ehemals unter das Kloster Aldersbach und ist gegen Abtretung mehrerer Bauernhöfe, die Aldersbach näher und bequemer gelegen waren, an Gotteszell vertauscht worden. Die Kirche war einst die Hofkapelle von dem bayerisch-herzoglichen Schlosse, das nicht weit von dem Markte, etwa sechshundert Schritte, auf dem sogenannten Leithenholze, auf einer Anhöhe stand, das abgebrochen wurde und aus dessen Steinen man das Kloster Gotteszell aufbaute, an dem Ort, wo zuvor nur eine Mühle war und Troßlach hieß. Von diesem Schlosse aus waren verdeckte unterirdische Gänge bis zur Kapelle gegraben. Man wollte vor einigen Jahren einen davon entdeckt haben, hatte aber den Mut nicht, weiter zu forschen, weil man Unheil befürchtete. Es ist allerdings traurig und in vieler Hinsicht zu bedauern, daß schreckliche Feuersbrünste und mannigfallige Kriegsunfälle alle Pfarr- und Marktdokumente gänzlich verwüstet haben. Ich gab mir unsägliche Mühe, etwas schriftliches auszuspüren, das von Bedeutung sei und Licht über die Vorzeit mir schaffen sollte, allein ich konnte nichts von Belang finden und mußte auch das wenige, was ich durch genauere Nachfrage einholen konnte, auf Volkssagen beruhen lassen.

Die vorgeordnete Behörde

Eine halbe Stunde vom Markte ist der Ort Linden (in der Waldsprache), eigentlich Lindau entlegen. Auch hier war ehemals ein Schloß, daß dem Vermuten nach den Herren Nußbergern, denen auch die Schlößer Alt- und Neu-Nußberg angehörten, manchmal zum Wohnorte diente. Diese Nußberger, wie ich in der niederaltaichischen Klostergeschichte las, waren bedeutende und mächtige Mitglieder des berüchtigten Böckler-Bundes, trieben ihr Unwesen im Hussiten-Kriege, machten sich ungemein furchtbar im Walde und den bayerischen Herzogen viel zu schaffen.
Noch sieht man auf dem nämlichen Platze, wo auch das Schloß stand, einen ungemein festen Turm, der uns an die unseligen Faustrechtszeiten erinnert der bisher noch immer dem Ungewitter und der Zeit trotzte, und der sich, wenn er nicht gewaltsam abgetragen wird, noch sehr lange halten mag. Ehedessen war auch ein Pfleggericht in Lindau und hieß das Lindauer-Gericht. Es wurde nachmals nach Viechtach versetzt und mit dem dortigen Pflegegerichte vereinigt.

Berühmte Persönlichkeiten

In dem hiesigen Markte ward in einem Häuschen auf dem Platze, das jetzt einem Schuhmacher gehört, ein Mann geboren, der sich durch seine seltenen Talente, seinen Fleiß und seine außerordentliche Geschicklichkeit im höheren Geschäftsgange einen solchen Ruhm und solche Verdienste erwarb, daß er sich zur Stelle eines Reichshofrates zu Wien aufschwang, wo er auch starb. Ich habe dies aus dem Munde des seel. Herrn Abt Marian von Gotteszell vernommen. Sein Name ist mir entfallen. Soviel ich mich noch erinnern kann, mag er in den zwanziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts in Wien als Reichshofrat gestorben sein. Er stammt vermutlich aus der Hafnerischen Familie her, die um diese Zeit das Häuschen besaß und das Schusterhandwerk hier trieb. Sein gemaltes Bildnis hing viele Jahre vor dem Hause heraus; allein da es jedem vollern Regenguße und Ungewitter ausgesetzt war und ganz vernachlässigt wurde, so sind alle Züge und der Name auf der Rückseite ganz ausgelöscht, das Gemälde verdorben und durchlöchert worden.
Herr Kaspar Kandler (5. Januar 1740 - 1. Juli 1815), ehemaliger Professor der Rechte auf der Universität Ingolstadt, ist ebenfalls hier geboren, sowie Lorenz Gräßl (18. August 1753 - 1793 [vor dem 12. Oktober]), Rotgerbersohn, Exjesuit und nachmaliger Bischof in Philadelphia. Dieser Mann besaß eine vorzügliche Gelehrsamkeit, große Sprachkenntnis, ein edles gefühlvolles Herz, die reinsten Sitten, und die feurigste Menschenliebe. Er starb als ein Opfer derselben beim Krankenbesuche am gelben Fieber in Philadelphia.

Bemerkenswertes. Die Schweden im 30-jährigen Krieg

Auffallende Gemälde und andere Kunststücke, merkwürdige Inschriften, Grabschriften etc. sind hier nicht anzutreffen. Es kann wohl hie und da vor Zeiten etwas gegeben haben, das dem Kenner merkenswert geschienen haben mochte; aber Feuer und verheerende Kriege haben alles zugrunde gerichtet. Auch diese Gegenden durchstreiften wilde Schaaren von den Kriegern des schwedischen Generals Wrangel, und machten sie zum Schauplatze ihrer Greueltaten. Diese Unmenschen raubten was sie vorfanden, durchwühlten das Innere der Häuser, zerschlugen, erbrachen, zerstörten alles, mißhandelten die Leute auf das entsetzlichste, entehrten die Weiber, würgten, mordeten und brannten jede leere Stätte nieder; denn die meisten Einwohner hatte die Angst in die dichteren Wälder getrieben. Diese wütenden Kohorten drangen auch ins nahe gelegene Kloster Gotteszell ein, zogen den dortigen Abt Michael hinter einer Brücke bei der Pferdeschwemme, wohin er sich versteckt hatte, grimmig hervor, entmannten ihn, mißhandelten die noch anwesenden Geistlichen aufs mutwilligste, plünderten Kirchen und Kloster rein aus und legten zuletzt Feuer an. Wenige Ortschaften entgingen der Flamme, noch wenigere Männer dem Schwerte des barbarischen Feindes. Aber wehe dem schwedischen Soldaten, der den Bauern einzeln in die Hände fiel. Alle erdenkliche Marter wurde an diesem unseligen Schlachtopfer ausgeübt, der Körper verstümmelt, und die Grausamkeit schrecklich wieder vergolten. Noch hat ein Berg hinter dem Dorfe Achslach und Wolfersried gegen den Oedwieser Wald zu den Namen Schwedengipfel. Dort ward mancher Schwede gehascht und hingerichtet. Bete ein Ave Maria (sagte der zürnende Bauer) du mußt sterben, hieb ihm mit einer Axt Hände und Füsse entzwei, und spaltete ihm das Haupt. Andere Marodeurs abgesondert, vom Landvolke aufgefangen, grub man bis an den Hals in die Erde und warf nach ihnen gleich einem Ziele mit Schiebkugeln. Ich habe dies alles teils in den gotteszellischen Schriften gelesen, teils aus alten Volkssagen entnommen.
Nach dieser Digression, wohin mich der Schwedenkrieg führte, komme ich wieder auf den Markt Ruhmannsfelden zurück.

Die Wirtschaft

Der Magistrat besteht aus einem Bürgermeister, den sie Marktoberer, und dreien Ratsherren, die man Ratsgeschworne betitelt. Künstler trifft man hier keine an. Ehemals, wie ich in den Taufverzeichnissen las, waren Maler hier oder vielmehr, wie die höchst elenden Kreuzlein zeugen, die man noch von jener Zeit hier vorfindet und die Grabmäler hier ausschmücken sollten, Farbenreiber und Bilderfärber. Handwerker und andere Gewerbetreibende sind an der Zahl vier und neunzig, worunter 6 Brauer, 5 Bäcker, 5 Schmiede, l Sattler, 5 Schuhmacher, 4 Schneider, 2 Tischler, 3 Küfer, 4 Zimmerleute, 4 Maurer, 9 Leinweber, 3 Wagner, 3 Krämer, 2 Fleischhacker, 2 Müller, 1 Wirt, 1 Weißgerber, 1 Rotgerber, 1 Hutmacher, 1 Strumpfstricker, 1 Drechsler, 1 Färber, 1 Kürschner, 1 Glaser, 1 Zinngießer, 1 Gürtler, 1 Schlosser, der ein ungemein guter Arbeiter ist, und endlich 1 Bader, eigentlich ein Bartscherer, der weiter nichts versteht als zu schröpfen, zur Not Ader zu lassen, und solche Medizinen auszugeben, die bis aufs Blut laxieren, und zum Sterben erbrechen machen. Der Mann wäre für solche Leute gut, die ihres Lebens überdrüßig sind, sie dürften nur zu ihm kommen, er wird sie schnell in die andere Welt expedieren. Er nennt manche Arznei Unguentium, die vortrefflich wirken soll. Sein Vater war nicht minder geschickt. Hatte sich einer die Achsel ausgefallen, so sagte er: er habe sich das Achseldächel verrenkt; sah er einen Hypochondristen, so behauptete er: der Mann sei ein Templicus. Er machte auch einmal eine überaus glückliche Kur. Ein hiesiger Krämerssohn hatte ein Gewächs in dem einen Auge, das in der Länge von einem halben Finger hervorstand. Er legte den Jungen auf den Tisch, schnitt das Gewächs mit einer Schere entzwei und der Mensch ward sehend und gesund von derselben Stunde. Da das königl. Landgericht und der königl. Landgerichtsphysikus ein sehr wachsames Auge auf die Quacksalber hat, so dürften dergleichen glückliche Operationen in Zukunft wohl unterbleiben. Die Seelenzahl des Marktes beläuft sich auf 658 Seelen. Die Pest soll hier zweimal und zwar im Anfange des vergangenen Jahrhunderts am meisten gewütet und eine Menge Menschen dahingerafft haben.
Der Begräbnisplatz war außer dem Markte auf einem großen Felde, das jetzt immer noch den Namen Siecherde führt. Zur Pfarrei Ruhmannsfelden gehören 9 Dörfer, 6 Weiler, 13 Einöden, 3 neue Ansiedlungen. Darinnen sind Inleute und Taglöhner 79; ganze Bauern 29, halbe 53, Viertel Bauern 20, Achtler 2, Sechzehntler 3.
Die Namen dieser Ortschaften sind : Anger, Auerbach, Bergerwied, Bruckhof, Dietsberg (ist in Vorder- und Hinterdietsberg eingeteilt), Eckertsberg, Fradersdorf, Gickenried, Haberleiten, Hafenried, Haidenberg, Harburg, Haasmannsried, Hurtweging, Huberweid, Kleinried, Klößing, Lämmersdorf, Leuthen, Muschenried, Paitmannsgrub, Perlesried, Prunst, Reisachmühle, Schwaigen, Schirkenhof, Sündweging, Wolfsberg, Zachenberg, Zuckenried (das wieder die Abteilung in Ober- und Unterzuckenried hat). Diese Oerter haben 1115 Seelen.
Die ganze Anzahl der Pfarrseelen ist also 1773. Alles bekennt sich zur katholischen Religion.

Die Sprache

Die Aussprache der Einwohner daherum kommt mit der Aussprache der übrigen Bauern des Waldes vollkommen überein. Sie sprechen Gager, Gud, Gor anstatt Jäger, Jude, Jahr aus. Jogl gib ocht, der weß der beßt; Jakob gib Acht, der weiße Hund, der beißet; Scheerwechseln, einen vexieren, zum Codica, dem Scheine nach; Feuer-Kuranz, anstatt Feuer-Assekuranz; Ich laß mich nicht kuranzen, anstatt ich lasse mich nicht in das Verzeichnis der Feuer-Assekuranten eintragen; das Gschoß, anstatt Flinte; Schlof, anstatt Schlagfluß, Karlingloß, anstatt Uringlas; mit dem Kranken ists wieder theuerer, anstatt besser, Bimfl, anstatt Inful; thörisch, anstatt taub; Sie ist nicht recht revirisch, anstatt sie ist nicht wohl bei Verstande; woau, anstatt wo; Aften hot er gsogt, aften is er ganger; anstatt hernach hat er gesagt, hernach ist er gegangen; Godl, anstatt Georg; Didl, anstatt Katharina. Diese und mehr dergleichen Ausdrücke, die mir eben nicht beifallen, habe ich oft aus dem Munde unserer Waldleute vernommen.

Kultur und Unterhaltung

Uebrigens sind die Bewohner dieser Gegend ein redliches, arbeitsames, herzlich gutes, mitunter auch lustiges Völkchen. Wenn man im Lenze, Sommer und Herbste spazieren geht, hört man allenthalben von den Bergen her Gesänge (die in Trillern bestehen, und hier Almen, vielmehr Alpengesänge heißen) und Lieder ertönen; sichere Anzeigen eines munteren Geistes und fröhlichen Herzens. Die ländlichen Unterhaltungen bestehen an jenen Tagen, wo es erlaubt ist in einem vergnügenden Tanze. Es singt einer ein Liedlein vor, das sie Schnatterhupfer nennen. Die Musikanten mit einem Hackbrett und einer Geige, zuweilen mit einer Sackpfeife, acompagnieren dazu, und dann wird gejauchzt, gesprungen und bis zur Ermüdung getanzt. Im Winter ist in den Dörfern das Eisschießen stark im Gange; auch wird Fisel und Farb mit Karten gespielt, das heißt: es wird scherwenzelt bei einem Satze und bei dem andern trischakt; das Trischak- und sogenannte Färbelspiel zugleich getrieben. Gemeiniglich labt sich der verheiratete Bauer im Wirtshause mit Bier, unterhält sich mit seinem Nachbar oder Freunde über den Feldbau, den Ochsen- und Leinwandhandel, über häusliche Gegenstände, auch manchmal über Kriegsereignisse, und begehrt oder giebt seinen Schmalzler (Brasilien-Schnupftabak, den sie klein geschnitten mit dem Stiele einer Hacke in einem irdenen Geschirre zerreiben und mit Kalk und einem Bröcklein Schmalz vermengen) und beutelt ihn aus einem ovalrunden Glase, das er beständig in der Hosentasche bei sich führt, auf die Hand des andern.

Die Schule

Kenntnisse sucht man dermal durch gute Erziehung und Schulanstalten nach und nach hellere dem Fachmanne beizubringen, als er vorhin besaß. Der Marktsschullehrer ist geschickt und ein sehr fleißiger im Unterricht der Jugend unermüdeter Mann, der sichs sauer werden läßt, um nur die Bildung der Kleinen nach Möglichkeit zu fördern.
Die hier sich befindlichen Geistlichen unterstützen den Lehrer bestens und wirken aufs tätigste mit. Aberglauben und veraltete schädliche Vorurteile werden allenthalben ausgerottet, und gründliches reines Christentum den Leuten eingeprägt. Nebst der Werktagsschule, in welcher die Kinder in Syllabiren, Lesen, Schreiben, im Rechnen aus dem Kopfe sowohl als auf der Tafel, in der Christlichen Lehre, Vaterlands - Geschichte, Vaterlands - Geographie, in der Naturgeschichte, in der Kenntnis giftiger Pflanzen, Früchte und Schwämme, in der Musik etc. der Kinder Fassungskraft gemäß, und von Baumpflanzen unterrichtet werden, ist auch noch eine Feiertags- und weibliche Industrie-Schule hier, worin die Mädchen das Nähen und Stricken lernen.
Schade, daß sich der guten Sache noch mächtige Hindernisse entgegenstemmen! Die Vieh-Hut, das Vorgehen vor den Ochsen bei der Feldarbeit, das Kinderwarten und Spinnen, wozu die Knaben und Mädchen gebraucht werden, hält viele Eltern ab, ihre Kleinen fleißig und ordentlich zur Schule zu schicken. Doch hat man auch in diesen Stücken durch freundliches Zureden, und wenn dieses nichts fruchtete, durch schärfere Warnungen die Mißbräuche gemindert und einen genaueren Schulbesuch bewirkt. Es ist die gegründete Hoffnung vorhanden, daß auch hierin die Sache eine vorteilhafte Wendung bekommen werde; nur muß man Zeit und Gelegenheit wohl zu benützen wissen. Man erreicht nicht allemal durch gewagte Uebersprünge den Zweck; aber sicherer nähert man sich manchmal allmählich und durch kluge Umwege, wenngleich etwas später, dem vorgesteckten Ziele.

Ruhmannsfelden den 20. November 1812.

Josef Castenauer, Pfarrer.

 

Bibliographische Hinweise

aus: Niederbayerische Monatsschrift.
Zeitschrift für Kultur- und Kunstgeschichte, Landes- und Volkskunde Niederbayerns
und angrenzender Gebiete mit Berücksichtigung von wirtschaftlichen und Verkehrsfragen. Passau.
2 (1913) 28-30, 39-43; 58-60.
(Zwischenüberschriften sind von mir hinzugefügt.)