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Dr. Oswald Hirmer, Bischof von Mthatha in Südafrika |
Predigt beim Requiem am 24. März 2011
in der Pfarrkirche St. Laurentius Ruhmannsfelden
Lesung: Jes 55, 1-3
Evangelium: Joh 1, 1-18
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Die Dankbarkeit hat uns hier zusammengeführt - führt uns immer hier zusammen. Heißt doch der schönste Name für diese Feier "Eucharistie" - zu deutsch "Dank". Ja wir feiern immer den Dank für Jesus, wenn mir sein Vermächtnis begehen - "Tut dies zu meinem Gedächtnis." In diesen Dank für Jesus nehmen wir heute besonders unseren Bischof Oswald mit hinein. Seit er 1955 in unsere Pfarrgemeinde gekommen ist, ist das Band, das damals geknüpft wurde, nie abgerissen in den vielen Jahren. Er hat hier Freundschaft gefunden, die ihm und den Menschen, denen er hier begegnet ist, kostbar war und ist. Ja, er hat uns allen viel geschenkt. "Ja, Herr Cooperator, wann kommen Ihre Möbel", fragte Pfarrer Reicheneder, als sich der neu bestellte Kaplan mit leichtem Gepäck 1955 hier im Pfarrhaus einfand. "Ein Bett werdet ihr haben, sonst brauch ich nix", war seine Antwort - "Ich geh nach Afrika". Aber da waren Widerstände. Ein Visum zur Arbeit im Apartheidstaat Südafrika zu bekommen, war eine erste Hürde. Misstrauisch wurde von der weißen Herrscherschicht die Arbeit der Missionare für die "Schwarzen" beäugt. Aber das Visum kam. Und da war Bischof Michael Buchberger, der dem Bittsteller Oswald Hirmer entgegenhielt: "Hier ist Afrika!" Schon schien der Plan zu platzen. Aber da war ein älterer Priester, der beim Bischof eine gute Nummer hatte und der selber gerne Missionar geworden wäre, aber durch die Ungunst der Zeitläufte daran gehindert wurde. So gelang es, auch den bischöflichen Widerstand zu entkräften. Wer nun glaubt, ja jetzt ist der Herzenswunsch erfüllt, jetzt beginnt die Erfolgsgeschichte. Aus heutiger Sicht erscheint das so. Aber da kam ein bayerischer Priester wohl voller Idealismus, aber mit seiner Vorprägung, der natürlich glaubt, Kirche habe so auszusehen, wie er es erfahren und erlebt hat. Ja, der junge Missionar wirft sich mit voller Kraft ins Zeug und versuch seine Ideale umzusetzen und muss erkennen - es geht nicht - die Menschen in Südafrika sind nicht zu erreichen mit dem, was er von zu Hause mitbringt. Und genau hier beginnt das Große: Er verstärkt nicht die Anstrengungen und drückt seine Vorstellungen den Leuten mit noch mehr Nachdruck aufs Auge, sondern er lernt von ihnen. Er müht sich, ihre Art zu leben und zu denken, kennen zu lernen. Er gewinnt Mitstreiter, die mit ihm beginnen, die Botschaft des Glaubens, die Botschaft des Evangeliums afrikanisch zu buchstabieren. Daraus wird ein Projekt, dem er bis in seine letzten Tage hinein seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat: die kleinen christlichen Gemeinschaften. Es geht ihm dabei um ein neues Bild von Kirche, nicht mehr gedacht zuerst von der Hierarchie her: Da ist der Papst, der ernennt Bischöfe für alle Bezirke in denen Christen leben. Die Bischöfe senden die Priester aus, die sich um die Seelsorge der unmündigen Laien kümmern. In Südafrika zuerst entstehen kleine Zellen, deren Mitte das Bibel-Teilen in sieben Schritten ist. Dieses Modell hat sogar den Weg in unser Gotteslob gefunden. So, sagte er immer wieder, wird die Kirche vom Kopf auf die Füße gestellt. Die Kirche wächst aus dem Wort Gottes. Das ist die Mitte und die Wurzel, die die Kirche nährt und wachsen lässt. In seinem Bischofs-Logo (sie erhalten es hernach auf dem Gedenkbildchen), das er an die Stelle des Bischofs-Wappens gesetzt hat, von einem befreundeten afrikanischen Künstler entworfen, wird das in afrikanische Symbolsprache übersetzt: Christus in seinem Wort ist die Mitte, um ihn herum die Gemeinde als Gemeinschaft mit untergehakten Armen in der Form von Kuhhörnern - in der südafrikanischen Kultur ein Bild der Kraft und der Beständigkeit. Um Christus versammelt, im Hören auf sein Wort wächst der Kirche, wächst den Christen Kraft zu, das Leben zu bestehen und Jesu Sendung weiter zu tragen. Wie als Summe dieser Bemühungen und kirchliche Anerkennung seines Einsatzes über viele Jahrzehnte erscheint das Apostolische Schreiben "Verbum domini" über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche vom 30. September 2010, wo der Impuls, der vom Lumko-Institut in Südafrika ausgegangen war, von Papst Benedikt bestätigt und zur Nachahmung empfohlen wurde. Dieses Schreiben stellt sich unter den Impuls des Johannes-Prologs, wir haben es vorhin als Evangelium gehört: "Im Anfang war das Wort und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt". Das Evangelium schaut staunend auf das Wort Gottes, das in Jesus ganz hereintritt in unsere Welt, ganz einer von uns: "Fleisch". Aber dieser Prozess ist noch nicht zu Ende, er will auch heute "Fleisch" werden in meinem, in deinem Leben. Diesem Prozess zu dienen, dass Jesus heute im Leben seiner Christen "Fleisch" wird, dass er in unserem Leben zur Welt kommt, war Bischof Oswalds wichtigstes Anliegen. Für ihn begann ein ganz neuer Abschnitt, als er 1997 zum Bischof von Mthatha geweiht wurde. Für ihn bedeutete es jetzt die Sorge um sein Bistum, die Sorge um die Ausbildung der Priester und den Unterhalt des Priesterseminars, die Sorge um die vielen Aidskranken. Für uns bedeutete es das Glück, ab dem Jahr 2000 vier unvergleichliche Firmfeiern erleben zu dürfen. Auch für 2010 war alles schon vereinbart, da musste er zu seinem Leidwesen nach einem Schwächeanfall auf ärztlichen Rat hin absagen: Solch große Gottesdienste seien nicht mehr zu verantworten. Als er einige Wochen später doch noch zu einem kurzen Besuch kommen konnte, hatten wir alle nicht gedacht, dass es zum letzten Mal in dieser Welt gewesen war. 2011 wolle er eine ganze Woche bleiben. Noch an Weihnachten hatte er sich telefonisch gemeldet und nochmals seinen Besuch im Sommer angekündigt. Es ist anders gekommen. Ja, wir als Pfarrgemeinde, viele Freunde und ich sind ihm dankbar für Freundschaft und Wegweisung. Und als Christen dürfen wir sagen: "Auf Wiedersehen!"
Pfarrer Helmut Meier |