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Bischof von Mthatha in Südafrika

 

Nachruf auf Bischof Dr. Oswald Hirmer
Abschied vom Vater des Bibelteilens

von Spiritual August Sparrer

 

Am Samstag, 5. März 2011 ist Bischof Dr. Oswald Hirmer in Südafrika gestorben. Sein seit einiger Zeit schwaches Herz hatte keine Kraft mehr. Er war Priester der Diözese Regensburg und ging 1957 als Fidei-Donum-Priester nach Südafrika. Seit 1953 war ich mit ihm und Fritz Lobinger befreundet. Damals machten wir zusammen als Studenten eine Fahrt mit einem alte Holzkahn auf der Donau von Regensburg nach Wien.

In den Jahren 1977 bis 1997 war ich fünfmal zu Besuch in Südafrika. Bei einem solchen Besuch zusammen mit anderen Priestern und Hauptamtlichen haben wir auch an einem Kurs mit Dr. Oswald Hirmer über das Bibelteilen in kleinen christlichen Gemeinschaften teilgenommen. Diese Methode wurde von Hirmer und Lobinger im Pastoralinstitut LUMKO kreiert.

Auch in Deutschland durfte ich bei einem Einkehrwochenende und bei einem Kurs im Exerzitienhaus Werdenfels Bischof Hirmer erleben, wie er mit viel Hingabe diese Art der Evangelisierung und der Weitergabe des Glaubens darlegte.

Bischof Hirmer hat zusammen mit Bischof Lobinger nach der Promotion bei Professor Exeler in Münster eine neue Pastoral mit dem Wort Gottes angestoßen, die inzwischen in Afrika und Asien als die Pastoral der Zukunft rezipiert und von den Bischöfen gefördert wird.

Bei der Bischofssynode 2008 in Rom hat Bischof Hirmer dem Papst und den versammelten Bischöfen sein Konzept vorgestellt und dabei hohes Lob des Hl. Vaters erhalten. In seinem nachsynodalen apostolischen Schreiben VERBUM DOMINI hat Benedikt XVI. ausgeführt:

"Auf dieser Linie hat die Synode zu einem besonderen pastoralen Einsatz aufgefordert, um die zentrale Stellung des Wortes Gottes im kirchlichen Leben deutlich werden zu lassen, und empfohlen, die biblische Pastoral nicht neben anderen Formen der Pastoral, sondern als die Seele der ganzen Pastoral zu fördern … Ich ermuntere daher die Hirten und die Gläubigen, die Bedeutung der Bibel als Seele der Pastoral zu berücksichtigen. Wie in den Arbeiten der Synode hervorgehoben wurde, sollte darüber hinaus in der Pastoralarbeit auch die Verbreitung kleiner Gemeinschaften begünstigt werden, die aus Familien bestehen, die entweder in der Pfarrei verwurzelt oder an die verschiedenen kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften gebunden sind." (Nr 73)

Inzwischen wird in Indien ein Buch erarbeitet, an dem Hirmer und Lobinger mithalfen, das als Handbuch für alle Pastoraltheologen die zukünftigen Priester in den Seminaren in ganz Indien in die Pastoral des Bibelteilens einführen soll. Oswald Hirmer hat die drei Leitsterne für die pastoralen Bemühungen so ausgedrückt:
"1. Leitstern: Ist die Christusgegenwart lebendig erfahrbar? Ist die Pastoral, in der wir alltäglich handeln und selbstverständliche Aktivitäten durchführen, geprägt von dieser Leitfrage? Sind wir Erfahrene in Sachen Christusgegenwart? Sprechen wir über Christus als einen Anwesenden oder einem Vergangenen ?"
Der 2. Leitstern heißt Gemeinschaft: Alles was wir tun, soll dazu beitragen, dass Gemeinschaft wachsen kann.
Der 3. Leitstern: Alles Tun und Handeln in der Kirche zielt darauf ab, dass wir unsere Sendung für und in unsere Welt entdecken und entsprechend handeln".

Bischof Hirmer war in seiner Diözese Umtata in Südafrika wirklich der geistliche Vater des Gottesvolkes. Viele Zeugnisse von Besuchern, Praktikanten und Ordensfrauen bestätigen dies. Seine humorvolle und herzliche Art hat die Menschen berührt. Wenn Bischof Hirmer Firmungen in der Diözese Regensburg spendete, waren alle von seiner Herzlichkeit und Zuwendung begeistert. Oswald Hirmer hatte eine mystische Ader, die ihn ständig mit Christus verband und aus der er lebte. Mit ihm hat die Weltkirche, die südafrikanische Kirche und auch die deutsche Kirche einen bedeutenden Protagonisten für eine Neuevangelisierung verloren. Gebe Gott, dass sein Lebenswerk weiter wirkt, auch in Deutschland.

 

in: Klerusblatt 91 (2011) S. 92