Bild von Bischof Sailer mit Wittmann

Besser als lange theoretische Erläuterungen illustriert eine Anekdote aus dem Jahre 1826
die grundlegende Differenz zwischen Sailer und Wittmann


"Ein Pfarrer, welcher durch die große Ausdehnung und die schlechten Wege seiner Pfarrei genötigt und auch ermächtigt war, sich ein Reitpferd zu halten, kam mit diesem in einem etwas unglücklichen Zustande nach Barbing (König Ludwig I. hatte seinem geschätzten Lehrer das Schloss Barbing - heute Rathaus - als Sommerresidenz überlassen); denn der feurige Fuchs, den er erst kürzlich gekauft, hatte ihn auf dem Weg dahin zweimal abgeworfen. Dieser Unfall und was ihn veranlasste, wurde natürlich besprochen und Diepenbrock in Beziehung auf die Behandlung des Pferdes nicht nur zu Rate gezogen, sondern endlich auch vermocht, diesen Rat praktisch zu erteilen. Es war wirklich eine Lust, zu sehen, wie das Pferd schnell seinen Meister erkannte und sich zu den hübschesten Sprüngen und Courbetten herbeiließ. Die ganze Schlossbewohnerschaft war an den Fenstern, um Diepenbrocks Reitkunst zu bewundern, auf welche besonders Sailer mit Vaterstolz und -schwäche und dem Ausruf: "Gott hat ihm eine edle Gestalt gegeben!" herabschaute, als plötzlich und unvermutet Regens Wittmann vor dem Schlosse anfuhr. Ich kann noch jetzt nicht ohne Lächeln mich der Verwirrung erinnern, welche die Erscheinung jenes merkwürdigen Mannes damals hervorrief. Diepenbrock sprang mit Blitzesschnelle vom Pferde, sämtliche Zuschauer zogen erschreckt ihre Köpfe zurück und Sailer war verlegen, wie ich ihn sonst niemals sah…"
Auch die freundlich-begütigenden Worte Wittmanns konnten dem ganzen Kreis die plötzlich geschwundene fröhliche Unbefangenheit nicht mehr zurückgeben.


Bericht einer Augenzeugin
(Charlotte v. Neumayer)


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